
Schätze auf Bäumen und Brücken: Auf der Suche nach Klettercaches
"Komm, wir finden einen Schatz", sagten sich schon Janoschs kleiner Bär und der kleine Tiger und fingen an zu suchen. Sie zogen durch die Welt, immer auf der Suche nach dem Langersehnten. Und auch in der Realität machen sich täglich viele Menschen in Deutschland auf eine ähnliche Reise: Geocaching nennt sich der Trend, der vor wenigen Jahren in den USA erfunden wurde und seit einiger Zeit auch hierzulande eine große Anhängerschaft besitzt. Wir haben uns ebenfalls auf die Suche gemacht und erklären, warum das Geocaching die moderne Schatzsuche und die Schnitzeljagd Schnee von gestern ist und was die GPS-Suche mit dem Klettern zu tun hat.Geocaching: eine Erfolgsstory
Nachdem im Jahr 2000 das Verteidigungsministerium der USA das "Global Positioning System" für den Allgemeingebrauch freigab, kam der Amerikaner Dave Ulmer auf die Idee, den ersten Cache der Geschichte zu verstecken. Nahe Portland legte er einen Eimer mit etwas Geld, einer Digitalkamera und einem Logbuch ab, postete die Koordinaten im Internet und erfand somit das Geocaching, dass er zunächst noch als "GPS Stash Hunt" bezeichnete. Wenige Wochen später kam es zur Umbenennung, erste Caches waren bereits rund um die Erde versteckt und unaufhaltsam entwickelte sich der Sport – ein Trend war geboren.
Klettern und Geocaching: eine gute Mischung
Mittlerweile gibt es verschiedene Arten von Caches, die man auf den einschlägigen Portalen wie Geocaching.com oder Navicache.com entdeckt. Bei manchen braucht man nichts außer einem GPS-Gerät. Manchmal aber kommt man ohne eine Taucherausrüstung nicht weiter, kann ein Nachtsichtgerät nicht schaden oder man muss sich zum Cache in tiefe Tiefen abseilen. Es gibt aber auch Caches, die die Kletterbegeisterten unter den Geocachern begeistern. Die sogenannten "Klettercaches" sind in luftiger Höhe angebracht. Möglich ist alles: die Platzierung hoch oben auf einem Baum, an einem Brückenpfeiler, am Ende einer Kletterroute oder einfach auf einer Mauer.
Geocaching: Ausrüstung allgemein
Selbst der nicht kletternde Geocacher sollte sich nicht ganz unvorbereitet auf die Schatzsuche begeben. Zur Grundausrüstung eines "professionellen" Cachers gehört natürlich ein GPS-Gerät mit Ersatzakku, topografisches Kartenmaterial und eine passende Wanderausrüstung. Dabei können feste Schuhe, die richtige Bekleidung und ein Regenschutz natürlich nicht schaden. Zudem sind in vielen Fällen eine Taschenlampe, Stift & Zettel und ein Cache-Tauschgegenstand sinnvolle Begleiter. Da man sich meist in der Natur bewegt, nimmt der Cacher auch gerne eine Fotokamera mit, um seine Eindrücke festzuhalten. Je nach Länge der Tour, die man dank der Koordinaten, die man sich vorher an einem PC heruntergeladen oder notiert hat, recht gut planen kann, sollte man auch an ausreichend Proviant und Getränke denken.
Geocaching: Ausrüstung für Klettercaches
Klettercacher müssen sich für ihre Schatzsuche noch ein wenig besser und gründlicher ausrüsten als "Normalo"-Cacher. Aber was genau gehört zur Grundausrüstung? Wir fragten Tim Dawal und Roald Stenert von der Firma rope'n'roll. Das Unternehmen ist Partner des GPS Festivals in Essen. "Bei den Workshops auf dem letzjährigen GPS-Festival kam der dringliche Wunsch nach mehr, deshalb bieten wir spezielle Geocacher-Kurse an, in denen sich die GPS-Fans mit der Ausrüstung sowie der Seil- und Sicherungstechnik vertraut machen können. Zum Equipment gehören insbesondere eine Wurfschnur mit Wurfsack, ein Statikseil, ein halbautomatisches Sicherungsgerät, eine Handsteigklemme mit Trittschlinge sowie einige Karabiner und Bandschlingen", klären die Experten auf.
"Keine normierten Wände"
Die beste Ausrüstung nützt aber nichts, wenn die Klettercacher die Grundregeln nicht beherrschen. "Es wird in der Szene viel debattiert. Die Cacher haben große Verantwortung, sich selbst und der Natur gegenüber. Es gibt keine normierten Wände wie in der Kletterhalle, jeder Cacher sollte also eine realistische Selbsteinschätzung besitzen und sich und sein Tun stets hinterfragen", sagt Tim Dawal. "Man sollte mindestens zu zweit unterwegs sein, damit im Notfall einer einen Notruf absetzen kann. Um das Risiko zu minimieren und Fehler zu vermeiden ist immer der Partnercheck bzw. das Vier-Augen-Prinzip anzuwenden: Knoten, Sicherungen und Material sollten immer von einer zweiten Person überprüft werden. Nicht zuletzt sorgt man durch das Einrichten einer Backup-Sicherung an neuralgischen Punkten, zum Beispiel eines zweiten Karabiners oder einer Bandschlinge, für Redundanz und kann schwere Unfälle oder Abstürze vermeiden." Damit man sich als Anfänger oder noch unerfahrener Klettercacher nicht unnötig in Gefahr begibt, empfehlen die Experten von rope´n´roll, sich entweder einem wirklich fachkundigen Cacher anzuschließen oder einen Ausbildungs- oder Fortbildungskurs zu absolvieren. "Nur so ist man auf der Suche nach Caches auf Brücken, Industrieanlagen, Felsen oder in Höhlen sicher", so Tim Dawal.
Schatz im Baum – was nun?
Viele Caches sind auf besonderen Bäumen versteckt. Aber wie geh ich am besten vor, wenn ich den richtigen Baum entdeckt habe? "Im Normalfall kann man die Wurfschnur mit einem Wurfsack über eine Astgabel werfen und so das Statikseil installieren", sagen die Experten von rope´n´roll. Es kann aber auch vorkommen, dass der Schatz sehr hoch im Baum hängt. Dann hilft nur noch eine spezielle Schleuder, mit der man die Hilfsschnur über den Ast befördern kann. "Das Statikseil lässt sich dann auf verschiedenen Wegen fixieren. Wenn es fachgerecht befestigt ist kann man mit Sicherungsgerät und Steigklemme am Seil zum ersehnten Cache aufsteigen." Für speziellere Caches gibt es dann den Fortgeschrittenenkurs von rope´n´roll: Hier erfährt man nicht nur etwas über die Eigenschaften der Ausrüstung, sondern lernt das Einrichten von Flaschenzügen, Spannen von Seilen, einfache Rettungs- und Bergungsmethoden und vieles mehr. Habt ihr das alles drauf, steht der Schatzsuche á la Bär und Tiger nichts mehr im Wege.




















