
Handys & GPS-Geräte im Hochgebirge: Risikofaktoren oder Lebensretter?
"Das Handy schafft Scheinsicherheiten durch die Möglichkeit, jederzeit die Bergwacht zu rufen." Reinhold Messner benannte schon im Gespräch mit dem Spiegel im Jahr 2000 das Problem, das viele Bergretter auch heute beklagen. Wanderer und Bergsteiger sind meist riskanter unterwegs als noch vor 20 Jahren, als die erste Devise im Gebirge war, einen Unfall zu vermeiden. In Gewissenheit der Kommunikationsmöglichkeiten und sicherer Hilfe im Notfall sind Outdoor-Sportler unvorsichtiger geworden.Schwerste Folgen können vermieden werden
Die Zahlen verdeutlichen: Die Unfallmeldungen, die bei Bergwachten in Deutschland und Österreich eingehen, nehmen seit Jahren zu. Die Bergwacht Bayern meldete zum Beispiel 2008 363 Notfalleinsätze am Berg mit Kletterern und Bergsteigern – im Gegensatz zu 2007 ein Plus von 21 %. Schwere Verletzungen und Todesfälle werden hingegen nicht in gleichem Maße vermehrt registriert, sie nehmen teilweise sogar noch ab. Das Handy und auch GPS-Geräte im Gebirge sorgen also oft für eine Verhinderung der schlimmstmöglichen Folgen eines Unfalls, weil Hilfe gerufen und der Ort des Unfalls schnell geortet werden kann. Problem: Handys sind auf Empfang angewiesen, GPS-Geräte sind in dicht bewaldeten Gebieten meist nicht zu einer genauen Positionsbestimmung fähig. Auch bei der Navigation sollte man sich nicht ausschließlich auf das GPS verlassen - eine Gebietskarte, ggf. einen Kompass und Höhenmeter muss immer mit auf Tour.
Grundregeln:
1. Handys und GPS ersetzen nicht die gründliche Tourenvorbereitung und Sicherheitsmaßnahmen.
2. Handy mit voll geladenem Akku dabei haben und es bei Kälte am Körper tragen.
3. Anrufumleitung (Mobilbox) ausschalten, damit man für den Rettungsdienst erreichbar ist.
4. Funkschatten kann in bestimmten Gebieten auch Notrufe unmöglich machen - Unfallstrategien im Vorfeld zurechtlegen und auch wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist.
5. Notrufnummern einspeichern (siehe "Erste Hilfe und Unfallmeldung").
6. In Österreich ist es Rettungsorganisationen im Notfall gestattet, sich an den Mobilfunkbetreiber zur Feststellung des Standortes zu wenden - deswegen hier: Handy unbedingt eingeschaltet lassen.
Mehr Informationen zum Thema Wandern mit GPS bietet euch das gleichnamige Themenspecial auf www.bergleben.de.















