
Mystery Caches: Ein Fall für echte Detektive
Wer möchte nicht einmal in den Fußspuren berühmter Detektive wandeln? Verschlüsselung und Kryptographie spielen oft eine Rolle, wenn bekannte Spürnasen große Fälle lösen. Rätsel zu knacken ist deren Metier - und sie stoßen auch immer wieder über neue Mysterien. Diese Chance haben im Zeitalter von Geocaching allerdings nicht nur echte Kriminalisten. Auch ihr könnt Codeknacker werden.Auf den Spuren der drei Fragezeichen
Es ist die 137. Ausgabe der Hörspielserie "Die drei ???". Auf dem Weg zum 'Pfad der Angst' müssen die bekannten Hobby-Detektive aus Rocky Beach zunächst eine verschlüsselte Botschaft auflösen. Der verschrobene Wissenschaftler Winston Granville hat den Dreien nur ein paar Buchstaben auf den Anrufbeantworter gesprochen. Natürlich knackt Superhirn Justus Jonas den Code - eine Caesar-Chiffre - sofort und hat damit die Anschrift des nächsten Auftraggebers enthüllt.
Ein Rätsel für Geocacher
Ganz ähnlich wie die Botschaft des fiktiven Winston Granville funktionieren Mystery-Caches. Sie werden auch Puzzle- oder Rätsel-Caches genannt und haben eins gemeinsam: Die Koordinaten des Caches müssen erst entschlüsselt werden. Die angegebenen Geodaten im Listing haben nämlich nur eine Vorgabe: Sie müssen innerhalb von drei Kilometern Entfernung vom eigentlichen Ziel liegen. Jeder Mystery-Cache ist damit per se eine rätselhafte Schatzsuche, bei der nur die Zielregion bekannt ist.
Enigma 1 - die vielleicht härteste Nuss
"Der bekannteste Mystery Cache in Deutschland ist Enigma 1", erklärt uns Rudolf Schüller. Der Ratinganalyst hat sich privat schon früh für Krytopgraphie interessiert und dabei die Geocaching-Szene für sich entdeckt. "Enigma 1 gibt es schon seit 2002, damals musste man sich noch nicht an die drei Kilometer Entfernungsregel halten. Ich habe ihn nach eine Vierteljahr beständigem Tüfteln heben können. Dafür galt es, zehn Fragen und drei Schatzkarten aufzulösen." Eine harte Nuss, die Schüller in Zusammenarbeit mit seinem Sohn schließlich knacken konnte. Aber genau dieses Erfolgserlebnis macht die Rätseljagd auch so interessant.
Das Wichtigste: Einen Ansatz finden
"Am Anfang stehst du vor dem Listing und fragst dich, wo du anfangen sollst," beschreibt Schüller den Einstieg in einen neuen Cache. "Oft hat man ein paar Zahlen oder Buchstaben - und dann heißt es, erst einmal im stillen Kämmerlein zu tüfteln." Bis zu 20 Chiffren hält der Hobby-Experte bei Caches für gängig. Mit der eigenen Erfahrung steigt die Chance, einen Code schnell zu erkennen. "Es gibt schon ein paar gute Anhaltspunkte. Wenn ich Zahlen sehe, die nur bis 55 gehen und von denen keine die sechs enthält, dann handelt es sich fast sicher um einen Polybios-Code." Dabei werden die Buchstaben des Alphabets in einer 5er-Matrix durch Zahlen ersetzt. Noch ein Tipp gefällig? "Sind Zahlen vorhanden, aber es fehlen die Null und die Eins, dann handelt es sich meistens um die entsprechenden Handy-Buchstaben, das Vanity-Verfahren," verrät Schüller. Auf Mobiltelefonen sind die Tasten für '0' und '1' nämlich buchstabenfrei.
Kein Erfolg ohne Recherche
Wenn diese Lösungen nicht greifen, dann braucht es eben wirkliches detektivisches Interesse und Gespür. "Man kann allein auf Wikipedia viele gängige Codes und Chiffren finden," weiß der Fachmann, der in seiner Heimat im westfälischen Ochtrup die Cacher-Hoch-Schule mit ins Leben gerufen hat. Dort treffen sich gelegentlich Cacher aus der Region, um sich neue Anregungen zu holen, wie ihre aktuellen kryptografischen Probleme zu lösen sind. Morse- und Flaggenalphabet kommen dafür genauso in Frage, wie Vigenere- oder Enigma-Verschlüsselungen. In Ochtrup gibt Schüller Tipps und sucht den Austausch. "Diese Treffen haben auch sehr stark einen geselligen Charakter, man lernt neue Leute kennen und plant gemeinsame Aktivitäten," sagt der Organisator selbst.
Jetzt aber mal Klartext
Lohnt sich der Ausflug in die Welt der Detektive also? Auch für einen Mystery-Cache gilt, was für viele Cacher eine alltägliche Erfahrung ist: Man geht gerne raus. "Seitdem wir Cachen, gehen wir sonntags wieder spazieren", fasst das Schüller zusammen. Für Jugendprogramme und bei Firmen als Teambuilding-Maßnahme eignen sich Caches, bei denen solche Rätsel gelöst werden. Es gibt einige sehr originelle Varianten. "Ich kann den Cache 'Aquäduktus' (GC19NNJ) empfehlen", so Schüller. "Da muss man sich erst durch ein langes Listing kämpfen und hat im dechiffrierten Text dann ein weiteres Rätsel zu lösen." Nicht immer ergibt das entschlüsselte Ergebnis nämlich einen Klartext. Das mussten übrigens auch die drei ??? erfahren. Deren Auftraggeber erwies sich im Hörspiel als wenig glaubwürdig - hinterher ist man eben oft schlauer. Noch ein Hinweis sei da erlaubt: 'Aquäduktus' ist nicht nur eine harte Nuss für den Kopf - als 'T5'-Cache erfordert es auch sehr gute Kletterkünste, um ihn zu heben.















